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Gedenkstättenarbeit

Zeitzeugengespräch über das KZ Ahlem

Es war interessant und wichtig diese Menschen kennen gelernt zu haben.
Zu Beginn des Schulhalbjahres 2003/2004 kam Brigitte Deyda, unesco-projekt-schul-Teamleiterin der BBS 3, auf mich zu und fragte mich, ob ich mit meinen Schülerinnen und Schülern an einem Gespräch mit Zeitzeugen über das Konzentrationslager Ahlem interessiert wäre.
Ich begab mich auf die Suche. Die erste Klasse, die mir in den Sinn kam, war die BBZ 2a. Bei der Befragung der Schülerinnen und Schüler hörte ich die unterschiedlichsten Bemerkungen: Die erste Frage: „Ist das wichtig für meine Prüfung?", oder „Das Thema haben wir schon so oft gehabt, ich kann es nicht mehr hören", aber auch „Das hört sich interessant an", „Wer kommt denn da?", „Wieso kommen die an unsere Schule?".
Nachdem ich den Schülerinnen und Schülern über das vorangegangene Projekt, über das KZ Ahlem und die erste Begegnung mit den meisten der Zeitzeugen berichtet hatte, war das Interesse geweckt. Bevor wir uns allerdings den Zeitzeugen widmen konnten, musste eine gemeinsame Wissensgrundlage zum Thema 3. Reich und KZ Ahlem geschaffen werden. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit der Situation und den Lebensumständen der Inhaftierten, im Anschluss daran setzte sich die Klasse mit den Lebensläufen der Zeitzeugen auseinander. Nachdem diese Grundlage geschaffen war, entwickelten die Schülerinnen und Schüler Fragen, die sie den Zeitzeugen stellen wollten.

Dann kam der Tag des Zusammentreffens. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr aufgeregt und auch sehr neugierig. Sie mussten nach einigen Minuten aber feststellen, dass es gar nicht so schwer war, die Zeitzeugen zu befragen. Die drei Zeitzeugen berichteten jeweils ausführlich über ihren Weg ins KZ Ahlem und ihre Erfahrungen in dem KZ. Für die Klasse war es sehr interessant von drei verschiedenen Seiten die Erlebnisse zu hören.
Benjamin Sieradzki stammt aus einer polnisch-jüdischen Familie. Er berichtete von seinem Abtransport und seinem Leben im KZ Ahlem. Rene Chantrel wurde wegen seiner Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe zunächst in Frankreich inhaftiert und gelangte über mehrere Stationen ins KZ Ahlem.

Vernon Tott war als amerikanischer Soldat einer der ersten Befreier des KZ Ahlem. Er machte dort Fotos, um diese Situation seinen Verwandten zu zeigen.
Am Ende des zweistündigen Gespräches waren die Schülerinnen und Schüler sowohl berührt als auch enttäuscht, dass die Zelt zu schnell vergangen war. Für sie war es ein Ereignis, dass sie nicht so schnell vergessen werden. Bedanken möchte ich mich bei Brigitte Deyda, die uns die Möglichkeit gegeben hat, mit den Zeitzeugen zu sprechen, bei Kathrin Lange, die alles übersetzt hat, bei den Zeitzeugen, die uns sehr viel Freude gemacht haben und meinen Schülerinnen und Schülern, die bewiesen haben, dass das Thema immer noch und jederzeit wichtig ist

Kerstin Stöckemann


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